Curry oder Curryblätter? – Ja, ist das denn nicht dasselbe? 1

Curry oder Curryblätter? – Ja, ist das denn nicht dasselbe?

Curry sei Dank gibt es auf der ganzen Welt Gerichte, die Geschichte schrieben und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind.

 

Fangen wir an mit der guten alten Berliner Currywurst, einer gebratenen und mit Ketchup und Currypulver angerichteten Brat- oder Brühwurst, die heute auch schon mal in vergoldeter Form und mit einem Gläschen Champagner im Schlepptau daher kommt – man gönnt sich ja sonst nichts!

 

Machen anschließend einen kurzen Abstecher zur holländischen Joppiesoße, einer mit Mayonnaise frisch gehackten Zwiebeln und Currypulver angerührten Frittensoße, die auch gerne zu Spezialitäten wie Bamiblok oder Frikandel gereicht wird.

 

Und beenden dann die kleine Weltreise in unserem Ländle, in der ein Hotdog etwas anderer Art in aller Munde ist – die Bosna. Eine Bratwurst, die in einen aufgeschnittenen Weißbrotwecken steckt und mit einer scharfen Soße, bestehend aus Senf, Zwiebeln und Currypulver, abgerundet wird.

 

Curry – Eintopfgericht, Gewürzmischung und Paste

 

Also, wie man sieht, Curry ist in aller Munde … Und das verdanken wir Europäer allein der britischen Kolonialzeit in Indien oder besser gesagt den britischen Köchen, denen das aufwendige Kochen mit derlei vielen Gewürzen einfach zu mühselig war und von ihnen deshalb durch ein fertiges Currypulver ersetzt wurde, genannt Curry Powder.

 

Die Currys enthalten – ob fruchtig-mild, würzig oder scharf – zumeist Kurkuma, Koriander, Kreuzkümmel, schwarzen Pfeffer und Bockshornklee und können mit bis zu über 60 weiteren Gewürzen vervollständigt werden. Ingwer, Asant (Teufelsdreck), Zimt, Fenchel, Piment, Chili, Sternanis oder Knoblauch, um nur einige zu nennen, also hier ist wirklich alles möglich.

 

Purple Curry

 

Und obwohl die heutige Auswahl an Currymischungen mehr als vielfältig ist, gibt es immer noch Varianten, die überraschen. Denke ich doch gerade an unser feinsäuerlich-mildes Purple Curry mit gemahlener Hibiskusblüte oder das korianderfrische Grüne Laos Curry. Nicht zu vergessen die fruchtige Süße des Bananen-Currys. Ausprobieren lohnt sich, versprochen!

 

 

Aber da war doch noch etwas … Ach ja, die Curryblätter!

 

Curryblätter – wo Curry drauf steht, ist auch Curry drin… oder?

 

CurryblätterLeider nein, denn ohne jemanden enttäuschen zu wollen, haben die würzig aromatischen Curryblätter, die bitte nicht mit unserem heimischen Currykraut verwechselt werden sollten, einen eher herb-frischen, scharfen und zitrusartigen Geschmack und insofern nur soviel mit Curry zu tun, als das sie in diesem mitgekocht werden.

 

Die den Lorbeerblättern zum Verwechseln ähnlich sehenden Curryblätter – klein, oval und dunkelgrün kommen sie daher – stammen vom zur Familie der Rautengewächse gehörenden Currybaum, der wiederum mit dem Zitrusbaum verwandt ist und den lateinischen Namen Murraya koenigii trägt. Die immergrüne Pflanze, die neben ihren Blättern auch duftende weiße Blüten und lila Beeren trägt und in Höhenlagen von bis zu 1 500 Meter wächst, ist auf dem indischen Subkontinent beheimatet, von wo er sich über weite Teile Asiens ausbreiten konnte.

 

In Indien werden die Curryblätter auch nim oder kariphulia genannt werden. Sie sind vor allem in der südindischen und sri-lankischen Küche äußerst beliebt und werden dort vielfältig eingesetzt. Vielleicht werden sie in Indien auch deshalb von fast jedem Haushalt selbst angebaut, hingegen im Handel die Curryblätter eine eher untergeordnete Rolle spielen und für diesen nur in geringem Maße kultiviert werden. Jedoch gibt es auch Curryblatt-Pulver zu kaufen, mit dem Reisgerichte oder gefülltes Fladenbrot namens Parathas gewürzt werden.

 

Currygerichte, Chutneys oder Tee – alles ist möglich

 

Den Curryblättern liegt, so könnte man sagen, das feine Abrunden am Herzen – von Fisch und Fleisch, Gemüse und Hülsenfrüchten, Reisgerichten und Currys. Ja, selbst Salatdressings bekommen eine interessante Note, genauso wie Chutneys, Marmeladen und Relishs.

 

Die Curryblätter werden hierbei entweder frisch oder getrocknet verwendet und natürlich kann man sie im jeweiligen Gericht einfach nur mitkochen lassen. Doch will man aus ihnen das volle Aroma herauskitzeln, dann röstet man die Curryblätter in heißem Butterschmalz in Indien Ghee genannt, an und gibt dann erst die anderen Zutaten bei.

 

Und wer Curryblätter mit anderen Gewürzen und Kräutern mischen möchte, aber noch unsicher in der Auswahl ist, kann sich gerne etwas in der indischen oder auch sri-lankischen Küche abschauen.

 

Hier werden Curryblätter gerne mit Chili und schwarzen Senfsamen oder mit Tamarinde, Chili und Kokosfleisch vermischt, zum Beispiel um Linsen- und Reisgerichte zu würzen.

 

Selbst zum Tee aufgegossen werden die Blätter – ob wärmend im Winter oder als kühle Erfrischung im Sommer – zu einem Geschmackserlebnis der ganz besonderen Art.

 

Und am Ende ergibt alles einen Gin …

 

… Wenn Curryblätter sogar als sogenanntes „Botanical“, in der – am liebsten eigenen – Herstellung des seit Jahren immer beliebter werdenden Wacholderschnapses namens Gin eingesetzt werden.

 

Kenner wissen um den Begriff Botanical, doch ratlosen Laien sei gesagt, dass sich hinter diesem Begriff einfach nur die verschiedensten Aromen verstecken, die genutzt werden, um dem Gin einen individuellen Geschmack zu verleihen – mithilfe von Beeren, Rinden, Samen, Früchten, Fruchtschalen, Gewürzen, Kräutern und Wurzeln.

 

Und im Falle des in Sri Lanka hergestellten Colombo London Dry Gin sind es neben Zimtrinde, Koriander, Ingwer, Angelikawurzel und Wacholderbeeren auch Curryblätter, die ihm seinen exotisch-orientalischen Geschmack geben, den wir nicht hätten kennenlernen dürfen, wäre er nicht aus einer Not heraus geboren worden.

 

Denn die während des Zweiten Weltkrieges in Sri Lanka stationierten britischen Soldaten wollten einfach nicht auf ihren geliebten Schnaps verzichten, der seinen Weg aufgrund der massiv eingeschränkten Handelswege jedoch leider nur noch selten zu ihnen fand.

 

Also wurde kurzerhand eine aus heimischen Kräutern und Gewürzen bestehende Rezeptur entwickelt und äußerst erfolgreich produziert – so erfolgreich, dass selbst britische Exportregularien aufgehoben wurden, um diesen speziellen Gin nicht nur im Heimatland, sondern letztendlich auch auf der ganzen Welt genießen zu können.