Paradieskörner – vom Tellerwäscher zum Millionär 1

Paradieskörner – vom Tellerwäscher zum Millionär

Er suchte das Paradies und ging jeden Tag an ihm vorbei.


Ich weiß nicht, wen der von mir zitierte Schweizer Schriftsteller Emil Baschnonga gemeint haben könnte und warum er denjenigen nicht gleich auf den rechten Pfad gebracht, beziehungsweise in die richtige Richtung gestupst hat? Nämlich der Nase nach und auf direktem Wege zu uns und unserem Regal mit all den um die halbe Welt gereisten edlen Pfeffersorten!

Paradieskörner
Hier hätten ihn die Paradieskörner nicht nur leise angelächelt, sondern auch mit einem charmanten Augenzwinkern auf unsere selbst kreierten himmlischen Gewürzkreationen hingewiesen, in denen sich das einst hoch gehandelte afrikanische Gewürz zusammen mit seinen Spice-Bros wie Kreuzkümmel, Nelken, Muskat oder ägyptische Minze tummeln darf.


Dort geben die als Guinea-, Alligatoren- oder Meleguetta-Pfeffer bekannten Samen nicht nur unserem erfrischenden Himbeer-Minze-Salz (das perfekt mit Käse, Salat, Scampi und sogar Porridge harmoniert), sondern auch dem orientalischen Ras El-Hanout eine ganz besondere Note.


Lass es mich anders formulieren: Die in einen schokoladenbraunen Mantel gehüllten Paradieskörner stellen oft das i-Tüpfelchen in diesen unseren Rezepturen dar!

 

Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, …

Du hast noch nie von Aframomum melegueta oder Amomum granum paradisi gehört? Aber allein schon beim Lesen dieser exotischen Namen und ihrem wohltönenden Klang bist du wahnsinnig beeindruckt und vermutest etwas ganz Außergewöhnliches dahinter? Womöglich einen VIP – eine very important person?

https://www.wikiwand.com/en/Aframomum_melegueta

Und damit könntest du sogar recht haben, denn diese Pflanze, welche die tropfenförmigen Paradieskörner bis zu ihrer vollständigen Reife in ihren Kapseln beherbergt, war der Superstar im Mittelalter.

Ursprünglich an der Pfefferküste des tropischen Westafrikas beheimatet, wurden die Paradieskörner später auch in anderen Gebieten Afrikas kultiviert, in denen sie auch heute noch lokal angebaut werden. 

Ihre Reise nach Europa bestritt der unechte Pfeffer zunächst per Landweg. Und zwar mit dem einzigen ihm zur Verfügung stehenden Transportmittel: der Karawane quer über den afrikanischen Kontinent. Mit zunehmender Beliebtheit und der immer größeren Nachfrage wurde er aber vermehrt über den Seeweg gehandelt. Kaum an ihrem Zielort angekommen, verbreiteten sich die Paradieskörner in rasender Geschwindigkeit. Womit aber nicht nur ihr kometenhafter Aufstieg begann – denn wo ein Anfang, da auch ein Ende.

Nicht nur, dass die Portugiesen Indien und damit auch den dort wachsenden echten Pfeffer entdeckten, forderten zudem auch noch zwei Weltkriege und die damit einhergehenden unterbrochenen Handelswege ihren Tribut. So verloren die Paradieskörner nach und nach an Bedeutung und wurden erst wieder in den letzten Jahren wiederentdeckt.

 

Das Paradies ist nicht sichtbar, aber fühlbar – und sei es nur auf der Zunge!

Und auf was für ein g’schmackiges Erlebnis wir uns beim Genuss von Paradieskörnern freuen können, lässt – wenn auch nur ansatzweise – dieses von mir ergänzte Zitat der österreichischen Philosophin und Künstlerin Lisz Hirn erahnen.

Denn die Pariskörner, wie der nur sehr schwer zu bekommende Edelpfeffer fälschlicherweise auch oft genannt wird, haben ein intensives und warmes Aroma, das mit pfeffriger Schärfe und zugleich fruchtigen wie auch leicht nussigen Note einhergeht. Und als ob das nicht schon genügen würde, erinnert sein Geschmack nicht nur auch an Ingwer und Zimt, sondern auch noch ein wenig an seinen nicht allzu weit entfernten Verwandten, den Kardamom.

Paradieskörner waren im 17. Jahrhundert im europäischen Raum auch aufgrund ihres geringen Preises weit verbreitet. Die Menschen verwendeten sie zumeist zum Würzen von Lebkuchen, Glühwein und Bier sowie deftigen Würsten und kräftigen Schmorgerichten. Heute finden wir sie nur noch im Gin der Marke Bombay Sapphire, dem skandinavischen Aquavit und in Gerichten oder Gewürzmischungen der Maghrebstaaten.

 

Gib mir ein High Five und du bist der Chef im Haus!

Ich denke hier an das tunesische Chalat Dagga, eine Fünf-Gewürze-Mischung, die aus dem fernöstlich- europäischen Handel heraus entstanden ist und dank der Kolonialzeit noch heute sehr beliebt in Südfrankreich und Südspanien ist.

ras el hanoutUnd natürlich darf auch der Chef des Ladens, sprich das Ras El-Hanout nicht fehlen, ein typisch nordafrikanischer Mix, der aus bis zu 30 verschiedenen gemahlenen Gewürzen bestehen und je nach Land auch in der Schärfe variieren kann.

Doch ganz gleich, ob für sich alleinstehend oder zusammen mit seinen Gewürzbrüdern in einer Mischung verarbeitet, passen Paradieskörner hervorragend zu Lamm- und Fischgerichten, Gemüse wie Kartoffeln, Kürbis und Auberginen als auch süßen Leckereien wie Gebäck, Marmeladen und Chutneys.